Land der Argonauten

Reise in den Kaukasus

Imeretien – Land der Argonauten

Land zwischen Tradition und Moderne

Von Karl Forster
Fotos: Andreas Klaer

Wo genau liegt eigentlich Georgien? Das haben sich vergangenes Jahr viele Menschen gefragt, als Georgien als Partnerland der Frankfurter Buchmesse durch alle Medien ging. Es liegt an der Grenze zwischen Europa und Asien in Transkaukasien, östlich des Schwarzen Meeres und südlich des Großen Kaukasus. Zwischen Russland und Aserbaidschan. Von seinen Bewohnern wird es als Balkon Europas bezeichnet. Der höchste Berg des Landes ist der Schchara im Großen Kaukasus mit 5201 Metern. Die Hauptstadt Tbilissi (deutsch: Tiflis) hat über eine Million Einwohner.

Ein Bild das typisch ist für dieses Land. Moderne und Tradition liegen hier eng beieinander. Natürlich sind Smartphones hier das alltägliche Kommunikationsmittel. Damit, oder der Kreditkarte, wird auch in kleinen Geschäften selbst bei kleinsten Beträgen bezahlt. An den Straßen stehen Geldautomat ähnliche Geräte, an denen man online Steuern oder Energie zahlen kann, oder andere Behörden- oder Geschäftsangelegenheiten erledigen kann.

Tourismus gibt es schon lange. Doch aus Deutschland reisen die meisten Besucher in die Hauptstadt. Von dort gibt es allenfalls Rundreisen, bei der interessante Regionen höchstens mit einem Tag bedacht werden. Das ist schade, denn im westlichen Teil des Landes liegt eine Region, in die sich eine Reise wirklich lohnt. Imeretien, mit seiner Hauptstadt Kutaisi.
Die Region hat eine bewegte Geschichte. 975 wurde es Teil des vereinigten georgischen Königreiches. 1466 wurde es wieder unabhängig und bildete eines der drei georgischen Königreiche.
Später wurde es Teil des Osmanischen Reiches. 1810 wurde Imeretien vom Russischen Reich erobert. 1918–1921 war Imeretien Teil der Republik Georgien, dann gehörte es bis 1991 zur Sowjetunion.

Gelati, etwa 15 km nordöstlich von Kutaissi in der Region Imeretien. Berühmt ist die Klosteranlage und Akademie Gelati (11. Jh.), die eines der wichtigsten Kirchenbauwerke Georgiens, wichtiges religiöses Zentrum und eine der bedeutensten Sehenswürdigkeiten des Landes ist. Kloster mit Akademie wurden 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt.

Doch mein Besuch mit einer kleinen Journalistengruppe führte dazu, dass ich ausgerechnet hier mit griechischer Mythologie in Kontakt kam. Die Argonautensage handelt von der Fahrt des Iason und seiner Begleiter nach Kolchis, der Suche nach dem Goldenen Vlies und dessen Raub. Die Reisegefährten werden nach ihrem sagenhaft schnellen Schiff, der Argo, die Argonauten genannt.
Die Region, in der all dies spielte, war das heutige Imeretien. Und so ist man überrascht, gerade in Kutaisi überall an Argo, die Argonauten und das Goldene Fließ erinnert zu werden. Aber natürlich findet man gerade hier bei Ausflügen beispielsweise den Prometheus-Berg und die Prometheus Höhle. Eine Tropfsteinhöhle, die mindestens 50.000 Jahre alt ist. Gewaltige Stalaktiten und Stalagmiten, sowie unglaubliche vom Wasser geformte Steinformationen füllten teilweise riesige unterirdische Säle! Der Weg durch die Höhlen war insgesamt 1,4 km lang, mit 900 Treppenstufen, die mal hoch und dann wieder runterführten. Der Weg durch die Höhle endet mit einer kleinen unterirdischen Bootsfahrt, zurück ans Tageslicht.
In Kutaisi, mit 150.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Georgiens, ist das mittelalterliche Stadtbild noch heute sichtbar. Zu den Sehenswürdigkeiten zählt die Bagrati-Kathedrale, 1003 vom georgischen König Bagrat III. erbaut und vom türkischen Sultan 1696 gesprengt. Die Kathedrale wurde mittlerweile vollständig rekonstruiert, allerdings so, dass ihre Eintragung in der UNESCO-Welterbeliste inzwischen wieder gelöscht wurde. Nahe der Kirche liegen die Ruinen der Stadtfestung und des Königspalastes.
Mangels staatlicher Mittel sind verschiedene historische Sehenswürdigkeiten Kutaissis baufällig. Die im 18. Jahrhundert erbaute Weiße Brücke über den Rioni-Fluss musste im Juni 2004 wegen Einsturzgefahr für Fahrzeuge geschlossen werden. Doch derzeit tut Kutaisi viel dafür, vieles in der Stadt wieder zu rekonsturieren. Gleichzeitig wurde mit einem neuen Tourismus-Amt begonnen, die Region für internationale Besucher attraktiv zu vermarkten.

Kein Foto aus Indien, sondern aus Imeretien. Kühe bleiben hier nicht auf den Weiden sondern laufen unkontrolliert auf den Straßen. Vorsicht ist geboten.

Aber natürlich gehört dazu auch die Präsentation der Umgebung mit den unterschiedlichsten Sehenswürdigkeiten. Der Naturpark Sataplia wurde 1935 gegründet, um die erst kurz zuvor entdeckte Karsthöhle sowie die nebenan befindlichen Spuren von Dinosauriern zu schützen.

Ein georgisches Gastmahl ist nicht einfach zum sattwerden da. Es ist ein Ereignis mit „Tischältestem“ (Tamadan), der dafür sorgt, dass alle genug essen, dass es interessante Gespräche (ohne Streit) gibt und der für die wichtigen Trinksprüche sorgt. Die Tafel bietet immer eine üppige Vielfalt.

Tschurtschchela, ein georgisches Konfekt das auch als Dessert gegessen wird, besteht aus auf eine Schnur aufgezogenen Haselnüssen (unser Bild), die dann mehrfach in eine süßsaure Kuvertüre aus Pelamuschi, eingekochtem Traubensaft mit Stärkemehl ohne Zucker getaucht werden. Danach werden sie zum Trocknen an die Sonne gehängt. Anschließend müssen sie zwei bis drei Monate reifen.

Spontan wurde unsere Reise unterbrochen, weil sich unser Begleiter erinnerte, dass hier ein Winzer lebt, dessen Weine sogar in Frankreich ausgezeichnet wurden. Natürlich musste sich die Jounalistengruppe von der Qualität des georgischen Rebensaftes selbst überzeugen.

Boutique Hotel Argo in Kutaisi. Das Doppelzimmer kostet wochentags ab 75 € am Wochenende ab 120€. Doch sind Doppelzimmer in Kutaisi schon ab 20 € pro Nacht zu bekommen.

Übrigens benötigt man für eine Reise nach Georgien nur den Personalausweis. Ein noch weitgehend unbekanntes aber lohnenswertes Reiseziel.

Die Recherchereise nach Kutaisi die dieser Reportage zu Grunde liegt, wurde unterstützt durch die Fluggesellschaft wizzair (fliegt u.a. von Berlin nach Kutaisi), das Tourismusamt der Stadt Kutaisi und ihre freundlichen Mitarbeiterinnen sowie die Brandenburgisch-Georgische Gesellschaft.